Islamisch heiraten in Deutschland: Ablauf, Regeln und Standesamt.
Was braucht eine gültige Nikah? Wie läuft eine islamische Trauung in der Moschee ab? Und warum ist das Standesamt so wichtig? Ein klarer Überblick für Musliminnen und Muslime in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Was eine islamische Ehe gültig macht.
Die Nikah ist im Islam ein Vertrag – der Koran nennt sie eine „feste Verpflichtung“. Die Gelehrten beschreiben die Bedingungen leicht unterschiedlich, doch diese Elemente sind weitgehend anerkannt:
- Das Einverständnis beider: Niemand darf zur Ehe gezwungen werden. Eine Ehe unter Zwang ist keine gültige Nikah.
- Angebot und Annahme (Idschab und Qabul): Eine Seite bietet die Ehe an, die andere nimmt sie an – klar und in derselben Sitzung.
- Zwei Zeugen: Nach Ansicht der meisten Gelehrten zwei volljährige, muslimische Zeugen, damit die Ehe öffentlich und nicht geheim ist.
- Die Brautgabe (Mahr): Ein Geschenk des Bräutigams, das allein der Braut gehört. Mehr dazu in unserem englischsprachigen Leitfaden What is mahr?
- Der Wali: Der Vormund der Braut, meist ihr Vater. Nach der Mehrheitsmeinung (malikitische, schafiitische und hanbalitische Rechtsschule) ist die Ehe ohne Wali nicht gültig. Nach hanafitischer Sicht darf eine volljährige Frau ihre Ehe selbst schließen, wobei die Einbeziehung der Familie dennoch empfohlen wird. Frag deinen Imam, welche Ansicht für dich gilt.
Ausführlicher (auf Englisch): What is nikah?
So läuft eine islamische Trauung in der Moschee ab.
- Vorbereitung: Die Familien einigen sich auf die Mahr und mögliche Bedingungen im Ehevertrag. Viele Moscheen verlangen Ausweise, die Namen der Zeugen und des Wali – und oft die standesamtliche Heiratsurkunde.
- Die Ansprache (Khutba): Der Imam spricht kurz über die Ehe, Gottesfurcht und die Rechte der Eheleute.
- Einverständnis und Mahr: Das Einverständnis beider wird bestätigt, die Mahr wird genannt.
- Angebot und Annahme: vor den zwei Zeugen. Danach unterschreiben alle den Ehevertrag.
- Bittgebet: Ein Dua für das Paar, zum Beispiel „Barakallahu laka wa baraka ‘alaika wa dschama‘a bainakuma fi chair“.
- Walima: Das Hochzeitsessen – Sunnah und am schönsten, wenn es einfach bleibt.
Warum das Standesamt so wichtig ist.
In Deutschland ist nur die Ehe vor dem Standesamt rechtlich gültig. Eine rein religiöse Trauung hat keine rechtliche Wirkung: kein Anspruch auf Unterhalt, kein gesetzliches Erbrecht und kein rechtlicher Schutz bei einer Trennung. Das trifft vor allem Frauen.
Seit 2009 ist eine religiöse Trauung vor der standesamtlichen in Deutschland nicht mehr strafbar. Trotzdem verlangen viele Moscheen zuerst die standesamtliche Heiratsurkunde – und das aus gutem Grund. Unsere Empfehlung: Schließt eure Ehe beim Standesamt und haltet die Nikah. So seid ihr vor Allah und vor dem Gesetz verheiratet.
Islamisch heiraten in Österreich und der Schweiz.
Schweiz: Eine religiöse Trauung darf erst nach der Ziviltrauung stattfinden. Bringt also zuerst den Eheschein des Zivilstandsamts mit.
Österreich: Rechtlich gültig ist nur die Ehe vor dem Standesamt. Informiert euch bei eurem Standesamt und eurer Moschee über die genauen Abläufe vor Ort.
Vorsicht bei der „Online-Nikah“.
Nikah per Videoanruf wird immer häufiger angeboten. Die Gelehrten sind sich darüber uneinig – vor allem wegen der Zeugen und der Rolle des Wali. Hinzu kommt: Rechtlich hat eine solche Trauung in Deutschland keinerlei Wirkung. Sprich vorher mit einem qualifizierten Gelehrten, und sei besonders vorsichtig, wenn dich jemand zu einer schnellen oder heimlichen Nikah drängt.
Erst den richtigen Menschen finden.
Bevor es an die Trauung geht, steht die Suche. Zawaj Marriage ist eine kostenlose muslimische Heirats-App mit Heiratsanträgen statt Swipen und Platz für deine Familie – mehr dazu auf unserer Seite zur muslimischen Partnersuche.
Häufige Fragen zum islamischen Heiraten.
Ist eine islamische Ehe in Deutschland rechtlich gültig?
Nein. In Deutschland ist nur die Ehe vor dem Standesamt rechtlich gültig. Eine rein religiöse Trauung hat keine rechtliche Wirkung – zum Beispiel keinen Anspruch auf Unterhalt und kein gesetzliches Erbrecht.
Kann man islamisch heiraten ohne Standesamt?
Eine religiöse Trauung vor der standesamtlichen ist in Deutschland nicht mehr strafbar. Rechtlich geschützt ist aber nur die standesamtliche Ehe. Viele Moscheen verlangen deshalb zuerst die Heiratsurkunde. Wir empfehlen, beide Ehen zu schließen.
Wie viele Zeugen braucht man für eine islamische Trauung?
Nach Ansicht der meisten Gelehrten zwei volljährige, muslimische Zeugen. Die genauen Bedingungen unterscheiden sich je nach Rechtsschule – frag am besten den Imam, der die Nikah durchführt.
Kann man online islamisch heiraten?
Darüber sind sich die Gelehrten uneinig. Viele halten eine Nikah per Video für problematisch, vor allem wegen der Zeugen und der Rolle des Wali. Sprich vorher mit einem qualifizierten Gelehrten.
Wie läuft eine islamische Hochzeit in der Moschee ab?
Meist mit einer kurzen Ansprache (Khutba), der Bestätigung der Brautgabe (Mahr), Angebot und Annahme vor zwei Zeugen und einem Bittgebet für das Paar. Danach folgt oft die Walima, das Hochzeitsessen.